Beratungsstelle für Prostituierte: Ämter damit „überfordert“
Mit der kommenden Fußball-EM erhofft sich auch das Sexgewerbe steigende Umsätze. Das LKA schätzt, dass hunderte zusätzliche illegale Prostituierte nach Salzburg kommen werden.
Anlässlich der bevorstehenden Fußball-EM beantragte Bürgerlisten-Gemeinderätin Sonja Schiff die Schaffung einer „Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen“, nach dem Vorbild der Städte Wien und Linz. Hintergrund des Antrages ist die Großveranstaltung im Sommer, die neben Fans auch viele Prostituierte aus Europa anziehen werde, so Experten.
200 Damen kommen allein zu den Messen
Allein von den Messeveranstaltungen weiß man, „dass nur für die paar Tage der großen Publikumsmessen 200 Frauen nach Salzburg anreisen“, so die Frauenbeauftragte der Stadt, Dagmar Stranzinger. Die Damen sind beliebtes „Begleitprogramm“ der Messefahrer und logieren zumeist in Hotels und Pensionen. 2006 waren in Salzburg 250 legale Prostituierte angemeldet. Wieviele illegale Rotlicht-Gewerblerinnen in Salzburg ihr Brot verdienen, wisse man nicht genau, so Schiff: „Das Landeskriminalamt und das Amt für öffentliche Ordnung rechnen bei der EM jedoch mit 20 bis 50 Prozent mehr Prostituierten, die sich in Salzburg aufhalten werden“, so Schiff.
Damen fahren busweise zum Gesundheitsamt
Doch die Ämter scheinen mit Schiffs Wunsch, den Frauen eine Anlaufstelle zu bieten, überfordert. Man mache Sozialhilfe und sei „inhaltlich nicht wirklich mit dem Thema Sex befasst“, meinte ein Mitarbeiter der städtischen Sozialabteilungsleitung auf einen ersten Rundruf von Dagmar Stranzinger. „Bitte nicht bei uns!“ lautete auch die Antwort vom Gesundheitsamt. Dort fahren nämlich wöchentlich Busse vor, denen 25 bis 30 Damen in Begleitung eines bordellverantwortlichen Herrn entsteigen, um sich den „Deckel“ zu holen. „Wenn die Begleiter jedoch Ausstiegsbroschüren für Prostituierte vorfinden, dann kommen die Frauen sicher nicht mehr“, so die Befürchtung einer Ärztin des Amtes. Deshalb habe die von Schiff beantragte Arbeitsgruppe (zusammen mit der Integrationsbeauftragten der Stadt sowie dem Verein Frauentreffpunkt) aktuell noch nichts bewerkstelligt. Auch Stranzinger selbst sagt, sie habe keine praktischen Erfahrungen mit Frauen aus dem Rotlichtmlieu.
Beim Verein Frauentreffpunkt melden sich „sehr selten“ Damen aus dem Gewerbe, so Doris Schober. „Oft sagen die Frauen ihren Beruf nicht, suchen aber etwas anderes oder sind schwer überschuldet.“ Man würde den Behörden „sehr gerne“ bei der Bewältigung des Problems helfen, meint Schober: „Es braucht nur einen klaren Aufrag und Willen dazu. Wenn der kommt, freuen wir uns.“
Panikmache bei WM
Salzburgs Behörden könnten auch auf die Erfahrungen der Fußball-WM 2006 in Deutschland zurückgreifen. Es gibt sogar Studien dazu, Tenor: Es war nicht einmal halb so wild, wie befürchtet. „Den größten Fehler, den Deutschland machte, waren die Panikmache und völlig aus der Luft gegriffene Zahlen“, (Zitat). So war im Vorfeld von 40.000 Zwangsprostitutierten die Rede.
Sonja Wenger
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