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CH - SexarbeiterInnen noch immer sozial geächtet

Teilweise Abschreibung befremdet Häsler

Der Regierungsrat des Kantons Bern hat der im Juni eingereichten Motion der Grünen Grossrätin Christine Häsler aus Wilderswil teilweise eine Absage erteilt. In der Motion forderte Häsler ein wirksames Engagement gegen Menschenhandel und Missbrauch im Sexgewerbe. Sie wollte den Regierunsrat dazu veranlassen, sicher zu stellen, dass arbeitsrechtliche Vorschriften auch im Sexgewerbe eingehalten und dass Missbrauch und Menschenhandel nicht geduldet würden. Des Weiteren wünschte sie sich eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisation – wie etwa von Xenia oder der Aids-Hilfe – und der Regierung sowie eine gesellschaftliche Besserstellung von Sexarbeiterinnen durch geeignete Kampagnen.

Häsler freute sich sehr darüber, dass der Regierungsrat die erste Ziffer der Motion als Postulat angenommen hat. Darin wird er aufgefordert «Massnahmen zu ergreifen, die sicher stellen, dass Agenturen die arbeitsrechtlichen Vorschriften und Verhaltenskodex einhalten». Laut Häsler zeige dies, dass sich der Regierungsrat der Problematik bewusst sei und gewisse Massnahmen als notwendig erachte. Auch die Forderung nach vermehrter Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und Hilfsorganisationen akzeptierte der Regierungsrat, was Häsler sehr freute. Befremden hingegen löste die Abschreibung der beiden übrigen Forderungen ab. Häsler kann nicht verstehen, dass die Exekutive des Kantons die gesellschaftliche Besserstellung der Sexarbeiterinnen bereits als in genügendem Masse erreicht betrachtet. Sie ist überzeugt: «Gesellschaftliche Ächtung von Sexarbeiterinnen ist immer noch da.» Häsler staunte auch darüber, dass der Regierungsrat seine Massnahmen gegen Missbrauch und Menschenhandel für ausreichend hält. Schliesslich sei das Potenzial für falsche Versprechungen und Ausnutzung gerade im Sexgewerbe ausserordentlich gross.

Sensibilisierung der Polizei

«Ich werde die Abschreibung der beiden Punkte im Rat bestreiten» kündigte die Grüne Grossrätin an. Gerade die Situation im Mikrokosmos Jungfrau beurteilt Christine Häsler als besonders schwierig. Es gebe zwar ein grosses Angebot an Sexdienstleistungen, die Hilfsangebote für Tänzerinnen und Sexarbeiterinnen befänden dich aber allesamt ausserhalb der Region. Die Polizei sei für die Betroffenen der einzige Ansprechpartner, oft sei das Verhältnis zu den Gesetzeshütern aber zwiespältig. Viele der Sexarbeiterinnen würden sich – oft auch unbewusst – in der Illegalität bewegen. Häsler hofft nun darauf, dass nun auch im Mikrokosmos Jungfrau das Problem von Ausnutzung, Menschenhandel und Missbrauch anerkannt würde und dass geeinete Massnahmen zu deren Bekämpfung getroffen werden. So wünscht sie sich etwa eine Sensibilisierung der Polizei und vor allem den vermehrten Einsatz von Polizistinnen. Auch eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten sei wünschenswert, so Häsler.

Jungfrau Zeitung

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