SEXWORKER NEWS

Sexarbeiter Zeitung für den deutschsprachigen Raum - Pressespiegel - Informationen für Prostituierte

Frauen haben auch das Recht auf Prostitution - Stellungnahme von Dona Carmen

Über Menschenhandel und Sex als Dienstleistung wird in der Presse unseriös informiert. Ein Gespräch mit Juanita Rosina Henning

Interview: Gitta Düperthal

Juanita ­Rosina ­Henning ist ­Sprecherin des gemeinnützigen Frankfurter Vereins »­Doña ­Carmen«, der sich für die Rechte der ­Prostituierten einsetzt.

Sie finden die Art, wie die Medien über Menschenhandel und Prostitution berichten, überwiegend unsachlich, diskriminierend, journalistisch schlecht recherchiert – häufig sogar uninformiert. Sie selbst setzen sich seit mehr als einem Jahrzehnt für die Rechte der Prostituierten ein. Warum sind Sie wütend über die konventionelle Berichterstattung?

In der Öffentlichkeit existiert ein völlig falsches Bild davon, was im deutschen Strafrecht unter Menschenhandel zu verstehen ist und was auch zur Strafverfolgung führt. Da herrscht Desinformation – häufig leider bereits bei den Berichterstattern selbst. Beispielsweise der Paragraph 233 Strafgesetzbuch »Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft«. Er spricht Migrantinnen hierzulande die Entscheidungsfreiheit ab, in prekären und untertariflich bezahlten Arbeitsverhältnissen zu arbeiten. Dabei geht es aber keineswegs darum, ihnen Rechte zu geben, damit sie sich etwa wehren könnten. Es geht vielmehr darum, sie zu kriminalisieren oder die Abschiebung vorzubereiten. Es reicht übrigens aus, Migrantinnen bei der Aufnahme einer prekären Arbeit behilflich zu sein, um als Menschenhändler verurteilt zu werden. Der Paragraph 232 StGB »Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung« spricht Prostituierten das Recht ab, Eigenverantwortung zu übernehmen, und entmündigt sie, indem sie so dargestellt werden, als ob sie alle nur verschleppt, mißbraucht wurden und gegen ihren Willen in die Prostitu­tion gekommen wären. Als strafrelevant wird hier gar nicht die Ausbeutung gewertet, sondern die vermeintliche »Ausnutzung« einer sogenannten auslandsspezifischen »Hilflosigkeit«.Würden Sie sagen, Journalisten, die über Menschenhandel schreiben, sind einseitig informiert oder voreingenommen?

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