Brief an Laura…. - von Paula (fair-paysex.de)
Kommentar zu: Laura D.: Mein teures Studium – Studentin, 19 Jahre, Nebenjob: Prostituierte
Verlag: C.Bertelsmann
Liebe Laura,
du kennst mich nicht, aber wir haben einige Gemeinsamkeiten. Auch ich habe als Prostituierte gearbeitet, auch ich war damals eine 19jährige Studentin und bin so alt wie du. Auch ich schreibe unter Pseudonym.
Über deine Erfahrungen mit käuflichem Sex hast du kürzlich in Frankreich ein Buch veröffentlicht. „Mein teures Studium“. Du habest die geile Studentin aus purer Geldnot übers Internet anbieten müssen und du habest die Begegnungen mit den Männern gehasst.
Dieses Buch schlug ein wie eine Bombe. Soeben ist es auch bei uns in Deutschland erschienen und mit ihm die Wellen der schäumenden Debatte. Es sei ein Unding, dass die finanzielle Belastung Studentinnen in die Prostitution treibe. In der Tat: Sich prostituieren zu müssen, ist immer ein Unding, egal wo, egal wie.
Dass du unter deiner Prostitution gelitten hast, spiele ich nicht herunter. Ich finde gut, dass du mittlerweile nicht mehr als Hure arbeitest. Was sollst du dich auch mit Dingen quälen, die dir nicht liegen.
Nur – mein Fall liegt ganz anders. Ich habe die Prostitution geliebt. Ich war glücklich mit meiner Freiheit und sog die vielfältigen Eindrücke und Begegnungen in dieser Arbeit gierig auf.
Es ist dein Glück, dass du über ein besonderes Thema schreibst. Denn Hurenliteratur ist immer pikant, immer gefragt. Es ist aber auch dein Pech. Weil man über Prostitution nicht so arglos subjektiv schreiben sollte wie über einen Job als Kellnerin. Du hättest im Auge behalten müssen, wer dein Buch lesen wird und wie er es lesen wird. Die Welt nämlich hat offiziell keine Ahnung von Prostitution, und das Offizielle ist ihr in diesem speziellen Falle so wichtig, dass sie selbst darauf hereinfällt. Das heißt, sie glaubt dir jedes Wort. Sie geht davon aus, dass du ihr die objektive Wahrheit über die Prostitution lieferst. Was du schreibst, kann aber nur deine subjektive Wahrheit sein. Darauf hättest du deutlich hinweisen müssen.
Darauf hast du nicht deutlich hingewiesen. Stattdessen schreibst du schon im Vortwort: „Man tut es [Prostitution] nur aus der Not heraus und redet sich ein, es sei nur vorübergehend“. Damit begehst du einen Kunstfehler: Du schließt von deiner Prostitution auf die Prostitution allgemein. Dabei widersprechen z.B. meine Erfahrungen in der Prostitution den deinen vollkommen, und würden wir Subjektivität und Objektivität miteinander verwechseln, könnten wir uns über unseren gegensätzlichen Haltungen ordentlich zerstreiten. In Wahrheit gibt es so viele verschiedene Prostitutionen, wie es Prostituierte gibt.
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