Nachtlokal Fixsie geschlossen - Herzogenburg / NÖ
Freudenhaus ist zu, Freude bei Zwicker - Nachtlokal Fixsie geschlossen
HERZOGENBURG / Bordellbetreiber Peter Pichler warf zu Beginn des neuen Jahres das Handtuch.
VON ALEX ERBER
„Ja, es stimmt, Gott sei Dank!“ Der Stoßseufzer von Bürgermeister Franz Zwicker ist sicherlich über die Grenzen Herzogenburgs hinaus hörbar. Es handelt sich nicht um überschäumenden Jubel, doch seine Freude ist groß: Das Etablissement „Fixsie“ in der Oberndorfer Handelsstraße gehört der Vergangenheit an - und zwar endgültig.
Der Stadtchef konnte es gar nicht glauben, als Bordellbetreiber Peter Pichler Ende des Vorjahres bei ihm vorstellig wurde und bekannt gab, dass er das Freudenhaus schließen werde: „Ich dachte zunächst, dass das eine neue Finte ist. Als ich erfuhr, dass das Lokal tatsächlich geschlossen hat, wusste ich, dass Pichler die Wahrheit gesagt hat.“
Die Schließung sei für ihn eine „Notbremse“ gewesen, erklärt Pichler: „Ein Ende der Causa war nicht absehbar. Man hätte aus dem Lokal durchaus etwas machen können, doch viele potenzielle Kunden wurden abgeschreckt.“
Die erste Erkenntnis des Bordellchefs: „Letztendlich haben nur zwei gezahlt, die Gemeinde und ich.“ Anwalts- und Gutachterhonorare von mehreren tausend Euro sind aufgelaufen - außer Spesen nichts gewesen.
Erkenntnis Nummer zwei: „Hätte ich von vornherein gewusst, welche ,Brösel‘ Arealbesitzer Martin Gröbner und die Gemeinde haben, hätt‘ ich mir das Ganze nicht angetan. Auf gewisse Dinge bin ich viel zu spät draufgekommen.“
Wie sieht nun die Zukunft des blau angestrichenen Hauses aus? „Zu 99,9 Prozent wird sich hier kein Bordell mehr ansiedeln“, verkündet Martin Gröbner, der keinen Zeitdruck verspürt: „Mein Betrieb, Anhängerverleih, läuft gut, ich bezahle alle Rechnungen pünktlich.“
Der Bürgermeister hört das sehr gerne. Pichler, der alle Möbel entfernen hat lassen, indessen ist skeptisch: „Kein Bordell, keine Tanzbar? Das glaube ich erst, wenn ich sehe, dass sich tatsächlich ein Unternehmen aus einer anderen Branche dort angesiedelt hat.“
DIE CHRONOLOGIE:
• SEPTEMBER 2006: Martin Gröbner beginnt den Bau eines neuen Gebäudes. Vorerst als Imbissstand samt Bürogebäude gemeldet, erfolgt bald die Ummeldung auf „Café mit Zimmervermietung.“
• MÄRZ 2007: Erstmals wird bekannt, dass auf dem Grundstück ein Bordell entstehen soll. Über den Betreiber ist vorerst nur bekannt, dass er in Hofstetten-Grünau wohnhaft sein soll. Bürgermeister Franz Zwicker will das Freudenhaus verhindern, sieht aber im NÖN-Interview nur wenig Chancen.
• APRIL 2007: Per Verordnung versucht Zwicker Prostitution zu verbieten. Areal-Besitzer Gröbner bekommt politische Unterstützung von FPÖ-Parteifreund und -Obmann Wolfgang Schatzl.
• MAI 2007: Der Nachtklub wird eröffnet. Das Verbot der Prostitution per Verordnung wird von der Landesregierung genehmigt, den Nachtklub als Bordell zu betreiben ist vorerst nicht möglich, „Tanz“ allerdings schon. Mittlerweile ist auch bekannt, wer das Etablisement betreibt: Peter Pichler.
• JUNI 2007: Der Streit um das Bordell wird zur Schlammschlacht: Unterstützung bekommt nun Gröbner von einem Anwalt: Dr. Wolfgang List unterstützt bei einer Klage gegen die Verordnung der Gemeinde. Außerdem wird auf 180.000 Euro Schadenersatz geklagt. Auch Zwicker klagt, allerdings gegen unbekannte Täter: Er wird in E-Mails beschuldigt, selbst Kunde von Nobelbordells zu sein.
• JULI 2007: Das Bordell läuft auf „Vollbetrieb“, da die Verordnung selbst von List nicht rechtlich bekämpft werden kann, sondern erst die Strafe durch Vollzug. List ist sicher: Die Verordnung wird vor dem Obersten Gerichtshof nicht standhalten. Außerdem bietet er Zwicker eine vertrauliche Besprechung an. Ein Treffen zwischen List und Dr. Ilse Grond, der Rechtsanwältin der Gemeinde, endet aber nach kurzer Dauer ergebnislos. Der erhoffte Vollzug der Strafe auf das Verbot der Prostitution, ohne dem List nicht rechtlich tätig werden kann, bleibt vorerst aus; im Bordell herrscht dessen ungehindert voller Betrieb.
• AUGUST 2007: Auch im August geht es weiter in der Causa: Ein Transparent hängt am Grundstück von Gröbner, gerichtet an Zwicker. Der klagt wegen Verleumdung. Die Gerichte werden weiterhin mit der Causa beschäftigt: Der Verfassungsgerichtshof soll sich von nun an mit dem Erlass von Zwicker befassen. Allerdings ist hierzu ein Strafvollzugsbescheid seitens der Gemeinde nötig.
• SEPTEMBER 2007: Die Klagsflut geht weiter: Zwicker klagt Gröbner wegen Stalkings, bezogen auf die anonymen Verleumdungs-E-Mails. Gröbner droht nach vierstündiger Einvernahme durch die Polizei mit einer Gegenklage wegen Geschäfts- und Rufschädigung. Ende des Monats veröffentlicht auch die Gemeinde ein Gutachten, ausgestellt von Univ. Prof. Dr. Gerhard Wielinger, der der umstrittenen Verordnung absolute Rechtmäßigkeit zuspricht.
List wartet derweil noch immer auf einen Strafbescheid gegen die illegal betriebene Prostitution.
• OKTOBER 2007: List präsentiert Gutachten Nummer drei.
• DEZEMBER 2007: Nach über einem Monat der Ruhe kommt der Kindergarten ins Spiel: Bei der Weihnachtsfeier im Nachtklub „Fixsie“ wird für diesen gesammelt. Auch die Hälfte der Einnahmen soll zur Verfügung gestellt werden. Die Stadtgemeinde lehnt ab.
Im Gemeinde-Buget 2007 scheinen 10.000 Euro Anwaltskosten auf - Ob da der Rechtsstreit schuld ist?
• JÄNNER 2008: Der Jahresauftakt verspricht einiges: Zum einen befindet sich Pichler auf der Suche nach Abnehmer für seine Spende - Gemeinde sowie Rotes Kreuz lehnen ab - bis über Vermittlung von Parteifreund Schatzl ein bereitwilliger Abnehmer gefunden wird.
200 Euro kommen als Heizkostenzuschuss einem Haushalt zu Gute.
Mehr Aufsehen verursacht aber der langersehnte Strafvollzugs-Bescheid der Gemeinde, der in der ersten Woche des Jahres Pichler, Gröbner und List zugestellt wird. Nun scheint der Weg vor den Verfassungsgerichtshof frei, scheitert aber dann doch am Fehlen eines weiteren nötigen Schreibens von der Gemeinde.
http://www.noen.at/redaktion/n-hzb/….p?Text=287625&cat=315
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