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Nicht alles Positive sieht man gleich - AIDS HILFE WIEN

Kampagne der Aids Hilfe für Männer, die Sex mit Männern haben - Die Zeit von “Risikogruppen” ist lange vorbei, HIV kann jede und jeden treffen, wenn risikoreiches Verhalten an den Tag gelegt wird. Der größte Teil der Neuinfektionen betrifft heterosexuelle Menschen. Dennoch: Männer, die Sex mit Männern haben, sind bezüglich HIV/AIDS und HIV-Prävention nach wie vor eine wichtige Gruppe. Jede Woche erhalten in Wien zwei schwule Männer die Diagnose “HIV-positiv”. Die neue Kampagne der Aids Hilfe Wien zeigt die reale Präsenz von HIV in der schwulen Lebenswelt auf und erinnert an die bereits altbewährten und täglich aktuellen Safer-Sex-Botschaften.

Aids Hilfe Wien

Kampagne Aids Hilfe Wien

Im Jahr 2007 gab es in Österreich erstmals seit Mitte der 90er Jahre wieder mehr als 500 festgestellte HIV-Neudiagnosen. In Wien belief sich die Zahl der diagnostizierten Neuansteckungen mit dem Immunschwächevirus auf 266, etwa ein Drittel davon - also etwa 90 - betrafen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Dennis Beck, Obmann der Aids Hilfe Wien: “Wir wissen aus Befragungen, dass schwule Männer einen sehr hohen Wissensstand haben, was HIV/AIDS sowie Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten betrifft. Ebenso wie in den anderen Ländern Westeuropas steigen aber auch bei uns sowohl die HIV-Infektionszahlen als auch die diagnostizierten Fälle von Geschlechtskrankheiten, wie Syphilis oder Tripper, an. Dies liegt daran, dass einerseits die jüngere Generation die Schreckensjahre der 80er und 90er, in denen AIDS reihenweise Menschleben gekostet hat, nicht bewusst miterlebt hat und die nach wie vor tödliche Erkrankung daher auf die leichte Schulter nimmt. Andererseits ist bei vielen schwulen Männern mittleren und höheren Alters eine so genannte ‘Kondommüdigkeit’ zu erkennen.”

Schwule und bisexuelle Männer leben nicht immer offen

Unter dem Titel “Wie leben schwule Männer heute?” hat die Aids Hilfe Wien gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin im Frühjahr 2007 eine Untersuchung durchgeführt. Beteiligen konnte man sich über Fragebögen, die in diversen Magazinen für schwule Männer geschaltet wurden bzw. online auf verschiedenen Internetseiten für MSM. Von den 854 Männern, die sich in Österreich beteiligten, bezeichneten sich 54 % als schwul, 30 % als homosexuell und 10 % als bisexuell. Die restlichen Teilnehmer lehnten diese Art der Definition ab bzw. zogen andere Begriffe vor.

Die Hälfte aller Befragten hatte eine fixe Beziehung mit einem Mann. Von jenen Männern, die angaben, sowohl Sex mit Männern als auch mit Frauen zu haben, hatten 90 % aktuell eine Partnerin. Durchschnittlich hatten die Teilnehmer in den vorangegangenen 12 Monaten mit fünf Männern Sex gehabt.
“Die Ergebnisse der Untersuchung sind sehr interessant”, betont Beck und erläutert: “Sie zeigen, dass es innerhalb der Männer, die (auch) Sex mit Männern haben, große Unterschiede im Bezug auf die Lebenswelten gibt. Bei bisexuellen Männern bleibt der ’schwule Anteil’ am Leben meist nicht nur gegenüber der Familie, Freunden und dem Arbeitsumfeld, sondern auch gegenüber der weiblichen Partnerin geheim. Männer, die sowohl mit Frauen als auch mit Männern Sex haben, sind bezüglich Infektionsrisiken von HIV unsicherer, sie informieren sich eher über Online-Beratung als über Magazine und holen sich Infos eher über medizinische Settings als über Szenelokale.”

Unsicherheiten und Ängstlichkeiten bisexueller Männer im Bezug auf HIV/AIDS zeigten sich in der Umfrage vor allem an der Nennung von Strategien, sich vor einer Infektion mit dem Immunschwächevirus zu schützen. Beck: “Bisexuelle Männer gaben signifikant häufiger an, das gesunde Aussehen des Sexualpartners zu beachten oder bestimmte Orte zu vermeiden, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Beides sind keine Vorgehensweisen, die im Zusammenhang mit gesundheitsförderndem und HIV-vermeidendem Verhalten praktikabel sind. Abgesehen davon, dass bisexuelle Männer Orte, die eine Infrastruktur für Sexualkontakte aufweisen, eigenen Angaben zu Folge häufig aufsuchen.”

HIV-positive Männer leben meist nicht offen mit ihrer Infektion

Sowohl diese aus der Studie ersichtlichen Fakten über bisexuelle Männer als auch die Tatsache, dass die meisten Menschen, die mit HIV/AIDS leben, dies aus gutem Grund nicht offen tun, hat die Aids Hilfe Wien dazu bewogen, die neue MSM-Kampagne unter das Motto “Nicht alles Positive sieht man gleich” zu stellen. Mag. Dominik Bozkurt, bei der Aids Hilfe Wien zuständig für den Präventionsbereich schwule und bisexuelle Männer, erklärt: “Der Anteil HIV-positiver Männer in der schwulen Community ist - vor allem durch das anfängliche Auftreten der Infektion in diesem Bereich - auch heute noch hoch. Trotzdem sind die Betroffenen aber so gut wie unsichtbar. Die Angst HIV-positiver, schwuler Männer vor Diskriminierung und Ausgrenzung auch unter ihresgleichen ist zu hoch. Der positive HIV-Status wird in diskordanten (ein Partner positiv/ein Partner negativ) Beziehungen, egal ob Liebesbeziehung, Affäre oder One Night Stand, oft nicht thematisiert.”

HIV/AIDS kann jeden treffen

In der neuen Kampagne der Aids Hilfe Wien, die aus Plakaten, Foldern und verschiedenen Give-aways besteht, wird der HIV-positive Status sowohl graphisch als auch sprachlich kommuniziert. Bozkurt: “Durch die Kampagne soll das Bewusstsein dafür gestärkt werden, dass es in der schwulen Szene Männer gibt, die HIV-infiziert sind, dass aber auf Sex mit HIV-positiven Männern nicht verzichtet werden muss - auch nicht verzichtet werden soll, da man sich ja mit Kondomen schützen kann. Es ist also letztlich nicht ausschlaggebend, ob mein Partner HIV-positiv ist oder nicht, wichtig ist, dass ich mich schütze. Durch den Gebrauch von Gummis und den Verzicht auf den Samenerguss im Mund beim Oralsex.”

In den Materialien, die die Plakatkampagne begleiten, wreden gesundheitsfördernde Maßnahmen (Kondomgebrauch, HIV-Test, etc.) als positiv hervorgehoben. Der Ausdruck “positiv” steht daher nicht für das Stigma der HIV-Infektion, sondern für verantwortungsbewussten Umgang mit lustvoller Sexualität.

Vielen Dank!

Die Aids Hilfe Wien dankt dem Fonds Gesundes Österreich sowie PKP proximity.

http://www.aids.at

Fragen zum Thema könnt Ihr auch im neuen Unterforum auf sexworker.at stellen -> Sexworker AIDS Hilfe

 
 
 
 
 

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