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Run auf “Laufhäuser” - ein bemerkenswerter Artikel aus “die Standard”

Im Trend: Viele Freier ziehen die diskreten Etablissements ohne Bars den traditionellen Bordellen vor

Graz - Kein Türsteher, kein Eintritt, nach der Eingangstür das diskrete Ambiente eines Hotels: ein langer Gang, dicke Teppiche, Bilder an den Wänden, es ist sehr still. Die Freier halten sich leicht zur Wand gedreht und meiden den Blickkontakt. Hier gibt es keine Bar, die Kunden brauchen also weder für sich noch für die Frauen teure Piccolos bezahlen. Und da somit auch kein Raum existiert, in dem sich Kunden gemeinsam länger aufhalten, ist die Wahrscheinlichkeit gering, hier gesehen zu werden.Im Laufhaus geht es gezielt um das Kernthema: Eine große Tafel informiert darüber, welche der hier arbeitenden Frauen im Haus sind und ob sie gerade besetzt ist. An der Tür jedes Zimmers kleben Name und großformatige Fotos der dort eingemieteten Frau sowie Detailinfos über ihre Angebote. “Der Kunde kann sich im Gang in Ruhe und ohne Zwang für ein Mädchen seiner Wahl entscheiden”, erklärt der Betreiber die Vorzüge dieser Art von Bordell. Von außen ist oft nicht zu erkennen, worum es sich handelt – oder erst vom Hinterhof aus.

Anonymität

Laufhäuser” sind ein spezieller Typus von Bordellen, der Freiern ein Höchstmaß an Anonymität gewährt und den Zugang für sie noch einfacher macht, “niederschwelliger”, würde man in der SozialarbeiterInnen-Sprache sagen. In Graz erfreuen sich Laufhäuser gerade eines wachsenden Zustroms. Sieben der rund fünfzig gemeldeten Grazer Bordelle zählen zu dieser Gattung. Fast alle haben sie in den letzten fünf Jahren aufgesperrt. Eines ist erst im Vorjahr dazugekommen, zwei haben kürzlich ausgebaut – darunter auch das größte Laufhaus der Stadt, jenes in der Lagergasse: Es hat eben sein zweites Obergeschoß eröffnet.

Typisch ist außer dem Fehlen eines Barbetriebs, dass Laufhäuser den ganzen Tag über, aber nur bis in die früheren Nachtstunden geöffnet haben. Viele Kunden kommen also während ihrer offiziellen Arbeitszeiten – und brauchen sich keine Ausreden über ihren Verbleib einfallen zu lassen.

Webseiten

Stark frequentiert sind auch die Homepages der Etablissements. Die Frauen stellen sich dort vor, manchmal sind Checklisten abrufbar, aus denen sich ablesen lässt, welche Frau was anbietet: ob sie es etwa “nur mit Schutz” macht, “Griechisch bei dir” oder “bei mir” im Portfolio hat oder nicht. Viel genutzt sind vor allem die User-Foren, in denen Freier Anfragen stellen wie: “Bekommt ihr mal schwarze oder Asienladys?” Den größten Ansturm erleben derzeit Transsexuelle, Frauen mit Penis. Auf der Website eines Hauses laufen Gewinnspiele, der Preis: Einmal “Blasen”. Auch empfehlen die Kunden (”Lauffreunde”) einander in den Foren Frauen und besprechen deren Services. Hier findet sich teilweise harter Tobak – und zwar abgesehen von der Frage, wie jemand zu Prostitution steht und ob eineR sie nun als Dienstleistung wie jede andere sieht oder nicht: Etliche Äußerungen über die Qualitäten, Nicht-Qualitäten oder gewünschten Qualitäten der Prostituierten lassen es klar an Respekt vor diesen missen.

Kunden aus der “mittleren Schicht”

Laut der Grazer Prostituierten S., die schon seit mehreren Jahren in verschiedenen Laufhäusern tätig war und ist, kommen die Kunden hier ebenso wie in anderen Bordellen vorwiegend aus der “mittleren Schicht” – nicht aus der “gehobenen”: “Wer es sich leisten kann, sucht etwas noch Privateres, um nicht erkannt zu werden.” Betuchtere nutzten eher Escortservices, Hotelbesuche oder gingen gar mit den Sexarbeiterinnen auf Reisen.

Für Prostituierte böten Laufhäuser einige Vorteile gegenüber üblichen Bordellen, meint Frau S.: So sind die Frauen nicht zum Trinken gezwungen, während in den Bars durchaus hoher Druck dazu besteht. Einer unter mehreren Umständen, die dazu führen, dass “viele Mädchen alkoholabhängig sind”, wie Frau S. sagt. Umgekehrt bedeutet es auch weniger betrunkene Freier. Für die Zimmer oder Appartements sind üblicherweise fixe Mietpreise zu bezahlen, die sich laut Karl Strohmeier von der Prostitutions- und Menschenhandelsabteilung der Kripo Graz zwischen 300 und 500 Euro pro Woche bewegen.

Anwesenheit und Vereinsamung

Prinzipiell können sich die Frauen in den Laufhäusern innerhalb der Öffnungszeiten die Arbeitszeiten frei einteilen. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Freiheit tatsächlich immer gegeben ist: Wie ein Betreiber betont, könne es trotz der Öffnungszeiten von Montag bis Samstag, jeweils 10 bis 24 Uhr, “dazu kommen, dass nicht alle Damen jederzeit anwesend sind, da von den Damen die behördlich vorgeschriebenen Arztbesuche eingehalten werden müssen”. Normalerweise, so der Tenor, sollten die Frauen also sechs Tage die Woche jeweils vierzehn Stunden fast durchgängig im Haus sein.

Frau S. macht schließlich auf einen Nachteil der Laufhäuser aufmerksam, den auch andere Neue Selbstständige kennen, die isoliert arbeiten: Abgesehen von den Kunden “sind viele Mädchen den ganzen Tag allein in ihren Appartements und werden einsam” – es fehlt der Austausch und die Unterstützung durch die Kolleginnen.
(Gerlinde Pölsler)

Diskussionen über diesen Artikel bitte unter: Lokalnachrichten Steiermark

oder unter Arbeitsplatz der SexarbeiterInnen

der Artikel ist im Original auf die Standard zu finden

Einen weitereren Bericht über das Laufhaus in Graz findet Ihr unter Artikel Falter

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gelesen: 3026 · heute: 3 · zuletzt: 31. August 2014

Ein Kommentar zu “Run auf “Laufhäuser” - ein bemerkenswerter Artikel aus “die Standard””

  1. Zeitschrift Falter: Roter Bereich

    [...] Einen weiteren Bericht über das Laufhaus in Graz findet Ihr hier  [...]



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